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Wer anfängt zu deichen

Was der Pfarrer von Hooge erzählt.

Wenn die Nordsee kommt und die Hallig überspült, dann beißt sie am vorderen Rand ein Stück ab vom Land. Dafür lässt sie eine Schicht Schlick zurück, und auch an der Leeseite wird es immer flacher. So wandert die Hallig durchs Watt.
Die Halliger haben ihre Häuser auf Warften gesetzt, genießen die freie Sicht bis zum Horizont und sehen rechtzeitig, wenn die Flut kommt.
Die Festländer dagegen – auch die Inselbewohner zählen für die Halliger dazu – sitzen hinter ihrem hohen Deich und hoffen ängstlich, daß die See nicht herüberkommt. Eine eingedeichte Insel wird nur zu leicht zur Badewanne.
So leben die einen mit Überblick und Weitsicht mit dem Meer, während die anderen nur gegen das Meer arbeiten können.

Weil die Hallig wandert, gehört das Weideland allen zusammen und wird in jedem Frühjahr neu aufgeteilt – sonst hätte der schnell nichts mehr, der sein Land an der Seekante hat. So war das zumindest bis 1938. Die Unverständigen konnten auch den Weg der Halliger nicht verstehen: Das Land wurde zwangsprivatisiert und die Uferbefestigungen nach und nach zu richtigen Deichen ausgebaut.
Jetzt gab es nicht mehr so oft „Land unter“, weniger Vieh ertrank, und weniger Schlick konnte sich ablagern. Die Halligen verloren an Höhe gegenüber der steigenden Nordsee. Viel Aufwand wurde darauf verwendet, auch hier die Deiche immer weiter zu erhöhen. Denn:

Wer einmal anfängt zu deichen,
muss immer deichen,
sonst muss er weichen.

So hat uns das der Pfarrer von Hooge damals beim Zivildienst-Lehrgang erzählt. Und wie war das mit den Flüchtlingen? Der Pfarrer von Hooge ist für den Weg der Halliger: Mit dem Meer, nicht gegen das Meer.