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Qart Hadasht

Ich steh auf dem Marktplatz von Qart Hadasht
mit Hunger im Bauch
und Verzweiflung im Herz.
Ich habe gestohlen und Pech gehabt,
drum steh ich in Fesseln
und der Scharfrichter neben mir,
mein Leben nichts mehr wert
auf dem Markt von Qart Hadasht.

Da unten gaffen die Leute,
zwischen ihnen andre wie ich,
kleine Fischer in der Menge.
Einer der Edleren lässt sich tragen,
ein reicher Händler mit Ambition
auf den Vorsitz
im Stadtrat von Qart Hadasht.

Der schickt einen Diener
nun in meine Richtung
und zahlt dem Scharfrichter
den festgesetzten Preis
für mein Leben –
ich bin nun sein Eigen
auf dem Markt von Qart Hadasht.

Ich fasse mein Glück nicht!
Er lässt mich geleiten
zu seinem Palast
in der gut bewachten Oberstadt.
Und zum ersten Mal vielleicht
darf ich mich satt essen dort
in der Oberstadt von Qart Hadasht.

Der Herr seiner Diener
ist ein alter Gladiator,
brutal, aber meistens gerecht,
sagen die Andern von ihm.
Auch er frei gekauft
in letzter Minute
in der Arena von Qart Hadasht.

Doch was will er von mir,
der nichts Andres gelernt hat,
als mit flinken Fingern,
schnellen Füßen und manchmal
auch fliegendem Messer
sein Brot zu gewinnen
in der Dämmerung von Qart Hadasht?

Doch ich soll es erfahren.
Am dritten Tage
lässt er mich rufen
zu früher Stunde
in sein Kontor.
Doch erst heißt es warten,
denn er hat noch Geschäfte:
Ich höre streiten und
feilschen um Schiffe
im Hafen von Qart Hadasht.

Doch schließlich darf ich mich,
satt und frisch gekleidet,
dankbar nähern meinem Retter,
dessen Schiffe aus fernen Ländern
duftende Schätze bringen
zur Freude der Götter –
gepriesen sei Baal! –
in den Tempeln von Qart Hadasht.

Nur zwei stumme Wächter
sind zugegen, als er mir
den Auftrag enthüllt,
wofür einer wie er
einen wie mich benötigt,
Finger, Füße und Messer,
aus den Schatten von Qart Hadasht.

Und nun bin ich wieder frei,
doch er hat mir seine Tochter
gezeigt, spielend im Garten,
die ihre Puppen
von selbst sich bewegen lässt,
wie es ihr beliebt.
Ein Kind noch, doch mächtig
der geheimen Künste,
und sie wird immer wissen,
was ich plane, wo ich bin
in den Gassen von Qart Hadasht.

Und wer wollte mir glauben,
wenn den Plan ich anzeigte,
der mir zum Auftrag gegeben,
und es darf nicht wie Mord,
sondern nur wie ein Unfall
aussehn, wenn der andere
reiche Mann stirbt,
Rivale um die Macht
im Rat von Qart Hadasht.

Und wenn es vollbracht ist,
dann wird er mich belohnen
mit Freiheit, mit Geld
und einem Stück Land;
mit Frauen und Kindern
werde ich wohnen
weit weg von Qart Hadasht.

Wohl fast jeder Kaufherr
kontrolliert seine Waren
persönlich, sieht täglich
im Hafenkontor
nach dem Rechten,
und dieser fährt immer
mit dem Wagen vor;
und sein Kutscher fährt schnell
am Hafen von Qart Hadasht.

An einem Tag, wo zur üblichen Stunde
der Weg ist verengt von gestapelter Last,
helf ich am Kran aus,
mit dem die Waren
aus den Schiffen gehievt werden
in die Lagerhäuser
am Hafen von Qart Hadasht.

Und da kommt die Kutsche,
und ich schneide das Seil durch –
eine Kiste zerschellt
auf den Steinen des Piers,
und die Pferde gehn durch,
die Kutsche kippt von der Straße
und versinkt im Becken
des Hafens von Qart Hadasht.

Am andern Morgen beim Hause des Händlers
wartet schon ein Karren auf mich.
Die Fuhrknechte lachen,
wie sehr ich mich freue,
zu erlangen die Freiheit
und Wohlstand und Glück.
Wir fahren durchs Tor,
und hinter mir bleibt zurück
alles Leiden von Qart Hadasht.

Nach einiger Fahrt
fahrn wir ab von der Straße.
Wir halten am Steinbruch.
Die Knechte ziehn ihre Klingen,
und zu spät dämmert mir,
wie es gespielt wird,
das Spiel von Qart Hadasht.