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Geht uns der Brennstoff aus?

Das Mittelalter soll eine Wärmeperiode gewesen sein. Das leuchtet mir nicht unmittelbar ein: Unter den vielen Kleidungsschichten, die man damals getragen hat, kommt man heute ganz schön ins Schwitzen. Aber Burgen sind ja auch kaum zu heizen. (Wenn die damals schon unsere Ölpreise gehabt hätten!) Die ärmeren Leute mussten damals viel weniger anziehen: Lehmhäuser werden schließlich für ihr hervorragendes Wohnklima gepriesen. Und mit Ochs und Esel im einzigen Raum hat man ohnehin eine wohlige Stallwärme.

Nun, jedenfalls müssen sich die Verhältnisse zur Renaissance hin deutlich abgekühlt haben – plötzlich wurde es nötig, öffentliche Plätze mittels großer Feuer zu beheizen. Weil diese Art der Heizung letztendlich scheiterte, ist sie heute unter dem Namen „Scheiterhaufen“ bekannt.

Zunächst versuchte man, die Feuer mit den ohnehin überflüssigen Büchern – schließlich konnte fast niemand lesen – zu schüren, eine Idee, die später immer wieder aufgegriffen wurde.

In einem Buch (sic!) über die Weiße Rose habe ich jedoch gelesen, dass Bücher schlecht brennen. Wahrscheinlich dachten die ungebildeten Einheizer nicht daran, die Werke ordentlich aufzublättern. Und die Wirbelfeuerung war noch nicht erfunden.

Im ausgehenden Mittelalter waren die Bücher-Ressourcen jedoch ohnehin all zu knapp, so dass man sich auf nachwachsende Rohstoffe verlegte, denn „wo man Bücher verbrennt, verbrennt man bald auch Menschen“.

Aus unerfindlichen Gründen bekämpfte eine Minderheit, die sich als „Humanisten“ bezeichnete, diese humane Heizmethode, die im Übrigen ebenfalls im 20. Jahrhundert in rationalisierter Form eine neue Blüte erlebte.

Dass damals wesentlich mehr Frauen als Männer verbrannt wurden, hatte einen einfachen Grund, den ich neulich in einem populärmedizinischen Fachblatt fand: „Frauen verbrennen besser“, war dort in großen Lettern zu lesen.

Durch die zunehmende Schadstoffbelastung nicht nur der Natur, sondern auch der Menschen, sind diese als Brennstoff heute nicht mehr geeignet, sondern müssen als Sondermüll entsorgt werden. Man sucht nach Alternativen.

Durch langjährige Versuche hat sich jedoch gezeigt, dass das Anzünden von Häusern mangelnde Nestwärme nicht ersetzen kann, und seien diese noch so groß (sogenannte Block-Heizkraftwerke).

In der Filmindustrie werden Fossilien mit aufwendigster Computertechnologie wieder aufgewärmt, doch werden auch dort die fossilen Brennstoffe in den nächsten Jahrzehnten ausgehen.

Doch wer traut sich heute überhaupt noch auszugehen, wo die Rinder längst nicht mehr nur auf dem Grill verbrannt werden? Dass hier nach alter Tradition die Sündenböcke für eigenes Fehlverhalten im Feuer geopfert werden, ist so sicher wie deutsches Rindfleisch.