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Der Nachtfalter

Ich hab schon mal versucht, tausend Kraniche zu falten,
das war ein bisschen viel für eine Nacht.
So leicht ist der Weltfrieden nicht zu gestalten …
Wer hätt’s gedacht.

Refrain:
Dann falt’ ich mir ein Schiffchen für meine Träume,
nehm’ schnell noch eine Lage
und zieh weiter durch die Stadt.

Ich hab’ schon mal versucht, genauer hinzulauschen;
das Knistern der Tektonik hab’ ich nicht gehört.
Das Quietschen der Ekliptik und der Eulenschwingen Rauschen
hat mich gestört.

Es hat mich fasziniert, wie Gebirge sich falten,
man braucht ein bisschen Zeit, um es zu sehn.
Mit ’ner Landkarte kann man das schneller erhalten –
doch nicht so schön.

Ich kenn’ die dunklen Ecken, wo Papiertiger schleichen,
ihre Zähne geh’n unter die Haut.
Doch sie lassen sich schneiden und mit roten Stiften streichen,
wenn man sich traut.

Ich hab’ den schwarzen Gurt, zehnten Dan, in Origami,
für jedes Stück Papier weiß ich ’nen Kniff.
Doch nachts in meinem Schiffchen geht’s mir wie im Tsunami,
lauf’ auf ein Riff.

Da strand’ ich mit dem Schiffchen …

Ich hab zu oft geseh’n, wie die Nacht sich entfaltet,
all die Lichter angeh’n hier im Reich.
Soll die Ampelmännchen kümmern, wer da schaltet und waltet –
mir ist es gleich.

Und am Ende der Nacht steht der Horizont in Flammen,
geh’n die Lichter aus in der Welt.
Dann falte ich die Nacht ein und leg’ sie schön zusammen,
und schließ’ die Türe ab
vom Nachtschrank
– vielen Dank.

Hraban 2014